{"id":2862,"date":"2024-04-20T12:40:42","date_gmt":"2024-04-20T12:40:42","guid":{"rendered":"https:\/\/clb-berlin.de\/?p=2862"},"modified":"2024-04-21T12:51:30","modified_gmt":"2024-04-21T12:51:30","slug":"zukunft-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/zukunft-kultur\/","title":{"rendered":"Zukunft Kultur"},"content":{"rendered":"<p>Das folgende <strong>Thesenpapier<\/strong> ist zur Vorbereitung auf das <strong>Berlin Forum <\/strong>der <strong>Stiftung Zukunft Berlin<\/strong> mit <strong>Joe Chialo<\/strong>, Senator f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, am 15. April 2024 im Radialsystem verfasst und ver\u00f6ffentlicht worden:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Die besondere Bedeutung von Berlin bestand als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands immer auch und vor allem in ihrer kulturellen Dimension<\/strong> \u2013 als Freiraum f\u00fcr kreative Experimente, vielf\u00e4ltige Lebensentw\u00fcrfe und k\u00fcnstlerische Produktion. Dementsprechend war es vor allem die Kultur und das mit ihr einhergehende Lebensgef\u00fchl (und nicht Wirtschaft oder Politik), die Menschen aus ganz Deutschland und schlie\u00dflich der ganzen Welt nach Berlin ziehen lie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der im Rahmen des Berlin-Forums begonnene Zukunftsdialog mit dem Regierenden B\u00fcrgermeister zielt auf wesentliche Bedeutungshorizonte der Stadt &#8211; wie Vielfalt, Freiheit und Demokratie. Auch diese finden ihren Ausdruck vornehmlich in der Kultur. In diesem Sinne ist Kultur eine Querschnittsaufgabe aller gesellschaftlichen Bereiche und damit aller Ressorts. Auch Demokratie ist letztlich eine kulturelle Errungenschaft. Hier gilt es anzukn\u00fcpfen und zu konkretisieren<span style=\"text-decoration: line-through;\">. <\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese besondere kulturelle Bedeutung der Hauptstadt ist heute \u2013 bei aller Lebendigkeit der kreativen Szene \u2013 durchaus gef\u00e4hrdet. Die einstigen Freir\u00e4ume k\u00e4mpfen gegen steigende Mieten, Raumnot und Gentrifizierung. Die Kommunalen Kultureinrichtungen sind weitgehend unterfinanziert. Gro\u00dfe Kulturneubauten wie das Humboldt Forum oder das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum erf\u00fcllen ihre Versprechen nur teilweise und erfreuen sich nicht besonders gro\u00dfer Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend zivilgesellschaftliche Initiativen wie das Exilmuseum oder b\u00fcrgernahe Kultureinrichtungen wie die ZLB wenig politische Unterst\u00fctzung erfahren. Die einstige Teilung der Stadt hat bis heute ihre Spuren in der Erinnerung an eine ehemals West-Berliner und Ost-Berliner Kunstszene hinterlassen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Mit anderen Worten: Die besondere Bedeutung von Kunst und Kultur in Berlin ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr, sondern muss mehr denn je aktiv gef\u00f6rdert und in Zusammenarbeit mit den kreativen Akteur*innen vor Ort zielstrebig, kontinuierlich und langfristig weiterentwickelt werden. Entscheidend ist dabei, dass es nur durch eine effektive Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft gelingen kann, die vielf\u00e4ltigen Herausforderungen zu meistern.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Dementsprechend besteht eine zentrale Aufgabe f\u00fcr die Kulturpolitik darin, gemeinsam mit der B\u00fcrgerschaft eine orientierungsstiftende Vision zu formulieren, wie der essentielle kulturelle Beitrag von Kunst und Kultur zur k\u00fcnftigen Entwicklung der Hauptstadt aussehen soll und was f\u00fcr deren praktische Umsetzung erforderlich ist.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Stiftung Zukunft Berlin bietet f\u00fcr einen solchen partnerschaftlichen Dialog mit Politik und Verwaltung sehr gerne und vor allem unabh\u00e4ngig von partikularen Einzelinteressen ihre Expertise an, wobei sie auf ihre langj\u00e4hrige Arbeit wie z.B. im Forum Zukunft Kultur, der AG Humboldt Forum, dem Zukunftsforum Berlin-Brandenburg oder A Soul For Europe zur kulturellen Entwicklung der Hauptstadt aufbaut.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Vor diesem Hintergrund sehen wir insbesondere den folgenden Handlungsbedarf:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Zukunftsvisionen in Dialog mit der B\u00fcrgerschaft formulieren!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine tragf\u00e4hige und realisierbare Zukunftsvision muss auf das aufbauen, was es bereits gibt. Daf\u00fcr ist es unerl\u00e4sslich, den Austausch mit den Akteur*innen vor Ort zu pflegen. Bei der Auswahl der Gespr\u00e4chs- und Kooperationspartner*innen ist darauf zu achten, dass vielf\u00e4ltige und vor allem professionelle Perspektiven zum Wohl der gesamten Stadt ber\u00fccksichtigt werden und nicht einfach nur partikulare Interessensgruppen oder gar \u201eFamilienangeh\u00f6rige\u201c bevorzugt werden. Dementsprechend bedarf es geeigneter Dialogformate und Kommunikationskan\u00e4le, die einen offenen und transparenten Austausch ebenso wie verantwortungsvolle und belastbare Absprachen erm\u00f6glichen. Das Berlin Forum ist ein Beispiel f\u00fcr einen solchen gemeinsamen Dialog.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Kreative Freir\u00e4ume f\u00fcr Kunstproduktion und Kunstpr\u00e4sentation sichern!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Berlin war einmal weltber\u00fchmt f\u00fcr seine kreativen Freir\u00e4ume. Inzwischen hat sich die Lage dramatisch ver\u00e4ndert: Es fehlt nicht nur an g\u00fcnstigem Wohnraum, sondern auch an bezahlbaren Arbeitsr\u00e4umen, Produktionsm\u00f6glichkeiten und Pr\u00e4sentations-orten. Steigende Mieten oder K\u00fcndigungen werden Ateliers, Probenr\u00e4umen, Ausstellungsh\u00e4usern, Theatern und Clubs zum Verh\u00e4ngnis. Angesichts dieser Entwicklung muss Kulturpolitik auch als Stadtentwicklungspolitik praktiziert werden, die nicht allein gro\u00dfe Museumsbauten oder Opernrenovierungen im Blick hat, sondern R\u00e4ume f\u00fcr kreative Experimente sichert und verl\u00e4ssliche Rahmenbedingungen f\u00fcr kulturelle Raumnutzungen schafft. Aber auch Gro\u00dfprojekte wie die ZLB, die Alte M\u00fcnze, vielleicht auch ICC und Tempelhof sollten vorrangig auf Ihren Nutzen hin f\u00fcr die Entwicklung der Stadtgesellschaft entwickelt werden.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Internationale Beziehungen und das Humboldt Forum st\u00e4rken!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aufgrund seiner besonderen Geschichte hat Berlin auch eine besondere Verantwortung in Hinblick auf sein kulturelles Engagement f\u00fcr Frieden und grenz\u00fcberschreitende Verst\u00e4ndigung. Mit dem Humboldt Forum wurde dieser Aufgabe ein zentraler Platz in der Hauptstadt und damit ein zentraler Stellenwert in der deutschen (Kultur)Politik zugewiesen. Doch auch wenn das Geb\u00e4ude fertig und die Museen er\u00f6ffnet sind, steht die eigentliche Aufgabe eines \u00f6ffentlichen Forums f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung \u00fcber den Umgang mit globalen Herausforderungen (wie Klimawandel, Migration, KI, usw.) und die friedensstiftende Zusammenarbeit mit internationalen Partner*innen erst noch aus. Dementsprechend muss Berlin hier seiner Verantwortung gerecht werden und st\u00e4rker als bisher auf die Einbindung von internationalen Partner*innen dr\u00e4ngen sowie die Zusammenarbeit mit ihnen (\u00fcber die Kunst im engeren Sinne hinaus) auf allgemeinpolitische Fragen erweitern.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Vielfalt und Zusammenhalt gestalten!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Das dynamische Wachstum der Stadt versch\u00e4rft etliche Konflikte. Nicht selten geht es dabei um weltanschauliche, eben kulturelle Fragen: um widerstreitende Ansichten, politische \u00dcberzeugungen, religi\u00f6sen Glauben, u.v.m. Um die Streitkultur in der Kunstszene ist es dabei nicht besser bestellt als im Rest der Gesellschaft. Deshalb muss es klare Regeln zum Schutz vor Diskriminierung, Hass und Gewalt im Kulturbereich geben. Das Fundament hierf\u00fcr bildet das Grundgesetz. Eine F\u00f6rderung von diskriminierenden oder demokratiefeindlichen Institutionen und Programmen sollte im Rahmen des rechtlich M\u00f6glichen ausgeschlossen sein. Was fehlt sind Angebote, die Kultureinrichtungen f\u00fcr m\u00f6gliche Vorf\u00e4lle sensibilisieren und beim Umgang mit eskalierenden Konflikten unterst\u00fctzen. Als sinnvoll erscheint deshalb vor allem die Pflege des Dialogs und eine bedarfsgerechte St\u00e4rkung derjenigen selbstregulierenden Kr\u00e4fte, die sich f\u00fcr ein konstruktives Miteinander engagieren. Leitend sollte dabei die Vorstellung einer offenen, freien und demokratischen, Kommunikations- und Kollaborationskultur sein, die aber auch in der Lage ist, ihre B\u00fcrger*innen im Ernstfall zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>In kulturelle Bildung und kulturelle Teilhabe investieren!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Zukunft der Stadt liegt in den H\u00e4nden unserer Kinder. \u00dcber den Missstand an Berliner Schulen wird viel gesprochen. Aber um die kulturelle Bildung des Nachwuchses steht es nicht viel besser. Vor allem auch desjenigen Teils, der aus dem Ausland oder aus Kriegs- und Krisenregionen nach Berlin kommt. Wenn die Konflikte unserer Gegenwart tats\u00e4chlich vor allem kulturelle Konflikte sind, ist es dringend erforderlich, massiv in kulturelle Bildung, Kreativit\u00e4t und Weltl\u00e4ufigkeit der Kinder zu investieren, die es ihnen erm\u00f6glicht, die Herausforderungen ihrer Zukunft auf erfindungsreiche, kollaborative und demokratische Weise zu bew\u00e4ltigen! Daf\u00fcr ist es erforderlich, vor allem auch au\u00dferschulische Bildungsangebote wie Kunst- und Musikschulen, Jugendclubs, Outdoor-Treffpunkte, ZLB, u.v.m. auszubauen. Wir brauchen eine Bildungsoffensive, die eine Kultur des eigenst\u00e4ndigen Denkens, vern\u00fcnftigen Argumentierens, kreativen Gestaltens, empathischen Miteinanders und demokratischen Entscheidens f\u00f6rdert. Das geforderte Kulturf\u00f6rdergesetzt ist hierf\u00fcr eine gute Grundlage, um Verbindlichkeit und Priorit\u00e4ten neu zu ordnen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Sven Sappelt, Andreas Richter, Christophe Knoch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das folgende Thesenpapier ist zur Vorbereitung auf das Berlin Forum der Stiftung Zukunft Berlin mit Joe Chialo, Senator f\u00fcr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, am 15. April 2024 im Radialsystem verfasst und ver\u00f6ffentlicht worden: Die besondere Bedeutung von Berlin bestand als Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands immer auch und vor allem in ihrer kulturellen Dimension \u2013 als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-2862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-unkategorisiert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2862"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2862\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2868,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2862\/revisions\/2868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/clb-berlin.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}